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An den Schüler

Lehrer: Ich hatte einst drei Kalksteine auf meinem Pult liegen, fand aber zu meinem Entsetzen, dass sie tägliches Abstauben Benötigen, während mein geistiger Hausrat noch unangestaubt dastand.

Ich warf die Steine voller Abscheu zum Fenster heraus! *

Schüler: Das würde ich auch gerne tun, da ich merke, dass ich mich viel zu sehr um die Steine kümmere und mein geistiger Haushalt währenddessen verstaubt.

Leider traue ich mich nicht, diesen Ballast loszuwerden. Es könnte ja sein, dass jemand unter meinem Fenster steht, um die Steine aufzuheben.

* Zitat aud dem Film: Der Club der Toten Dicher

Begegnung mit der Zeit

Ich glaube, dass ich für alle spreche, wenn ich euch die folgenden Worte,  mit Freudentränen in den Augen, anvertraue:

„ Während meiner Kindheit bin ich, wie jeder andere sicherlich auch,  der Zeit begegnet. Geglänzt und gestrahlt hat sie. Sie war so hell, dass man die Augen kaum offen halten konnte. Man wurde regelrecht geblendet. Und in was für prächtige Kleider sie gehüllt war. Stoffe so edel, dass selbst der reichte Mensch der Welt sie nicht hätte bezahlen können.
Sie reichte mir ihre Hand. Diese Berührung weckte in mir das intensivste Gefühl, das ich bis dahin kannte und noch heute kenne. Es ist das Gefühl der absoluten und grenzenlosen Freiheit.“

Ich glaube, dass ich für alle spreche, wenn ich euch die folgenden Worte, voller Furcht, ins Ohr flüstre:

„ Ich bin kürzlich erst, wie jeder andere sicherlich auch, wiedereinmal der Zeit begegnet. Ich glaube zumindest, dass die Zeit war. Schrecklich sah sie aus. Verblasst der Glanz, der mich einst als Kind geblendet hat. Zerfetzt die edlen Stoffe, die ihren Körper zierten. Das Gesicht, abgemagert. Nein, nicht abgemagert, es war das Gesicht eines Toten. Vor mir war ein Schädel, über den jemand eine dünne Haut gespannt hat. Furchtbar!
Ich musste die Augen schließen, mich wegdrehen, einfach davonrennen. Es gab keinen anderen Ausweg. Ihr Anblick war nicht zu ertragen.“

Ich weis, dass ich nicht für alle spreche, wenn euch die folgenden Worte, vom höchsten Punkt der Welt aus, so dass ein jeder sie hören wird, schreie:

„Lange ist es her, dass ich beim Anblick der Zeit davongerannt bin. Schrecklich war ihr Äußeres und doch besaß ich fortwähren den Wunsch, sie wiederzusehen. Ich hatte vor, mich auf die Suche nach der Zeit zu begeben. Die Suche sollte nicht von langer Dauer sein, denn plötzlich stand die Zeit vor mir. Im alten Glanz und in neuen, weit aus prächtigeren Kleidern.
Sie wusste die Ketten, in die mich der Alltag gelegt hatte, zu sprengen, meine Neugeburt einzuleiten und das vergangene Sterben zu verhindern.
Mir fiel auf, dass das Gefühl der absoluten und grenzenlosen Freiheit niemals verschwunden war. Es umgab mich seit meiner Geburt. Ich hatte lediglich verlernt es zu sehen.“

Ich glaube, dass alle den folgenden Satz verstehen werden, da sie meine Worte schließlich gehört haben müssen:

„Nachdem ich nun die Zeit wiedergefunden habe, ist mir etwas an ihr aufgefallen. Sie besitzt eine austergewöhnliche Eigenschaft. Sie nutzt sich ab, wenn man sie nicht nutzt.“

Der Menschenfresser

Es gab mal einen Menschenfresser,
der während er so vor sich hin durch die Welt wandelt,
wusste, dass er fortwährend moralisch handelt.

Schließlich hielt er immer links die Gabel und rechts das Messer,
während er aufrecht am Tisch saß
und genüsslich einen Menschen fraß.

Seid ihr schon mal (in eurem Leben) zwei Hunden begegnet, die erst dann ein Gespräch aufbauen konnten, als sie über einen anderen Hund, der nicht anwesend war, geredet haben ?

Alles kommt, wie es kommen muss.

So lass uns dann die Augen schließen.

Einfach blind und orientierungslos den Zufall ansteuern.

Dabei aber auch die Tatsache, dass man sich einen günstigen Zufall aussuchen kann, vergessen.

Seid immer der Protagonist und nie der Statist eurer Vorstellung.

An den Lehrer (Teil #2)

Schüler: Sie sagen doch immer, dass Früher alles besser war.

Lehrer: Ja.

Schüler: Was war denn besser?

Lehrer: Die Zukunft.


Zeitgenosse: „Wo findest du Glück?“

Leonidas: „Glück finde ich nur auf dem Pfad des Ruhmes und dem der Ehre, indem ich als freier Mann und aus freiem Willen heraus für Ideale kämpfe. Selbst über den Tod hinaus kann ich Zeichen setzen, da ich nie für mich sondern mit und für die Gemeinschaft in die Schlacht ziehe “

Zeitgenosse: „Es ist nicht möglich jeden Heldentod nachzuvollziehen und somit ist die Ehre und das daraus resultierende Glück, das du dir erhoffst, relativ.“

Leonidas: „Das Problem ist, dass viele nicht in der Lage sind, sich in eine andere Gemeinschaft hineinzuversetzen. Jeder glaubt, dass der ihm anerzogene Blickwinkel in der Lage ist, das gesamte Geschehen zu überschauen und jeden einzelnen Mechanismus zu verstehen. Somit ist es möglich, dass ich mein Glück im Heldentod finde, da du schließlich nach meinem Glück fragst und keine allgemeingültige Definition suchst.“

So lasst uns eine Frage stellen

Es fängt immer mit einer Fragen an, denn erst durch eine Frage entsteht das Beständige. Ohne eine Frage kann es keine Antwort geben und selbst wenn es sich nicht lohnt eine Frage zu beantworten, lohnt es sich, sie gestellt und über eine mögliche Antwort nachgedacht zu haben.

So lasst uns eine Frage stellen.

Wie kann es sein, dass der allmächtige, allgütige, allwissende und gerechte Gott Leid zulässt?

Kann er es nicht beseitigen? Will er es nicht beseitigen? Oder gar beides?

Dann ist er es auch nicht wert allmächtiger, allgütiger und gerechter Gott genannt zu werden. Wie soll man dann überhaupt als Mensch auf das im Stich lassen seitens Gottes reagieren?

Soll man ein neues Bild von Gott schaffen? Sich einer anderen Religion anschließen? Sich dem Atheismus hingeben und die kulturellen Wurzeln des christlichen Glaubens, der die eigene Kultur über Jahrhunderte hinweg geformt hat, über Bord schmeißen und boykottieren?

Oder man beginnt einfach damit die Frage oder die eigentliche Absicht Gottes hinter dieser Frage näher zu beleuchten und erschließt sich systematisch den besagten Sachverhalt, wagt sich an den neu entstandenen inneren Konflikt und stellt am Ende fest, dass man vielleicht, aber auch nur vielleicht in der bestmöglichen aller Welten lebt.

Doch ist man als Mensch, das in seiner Moral- und Sinneswahrnehmung determinierte Wesen, überhaupt in der Lage, die Gerechtigkeit hinter Gottes Meisterplan zu erkennen?

Es könnte doch sein, dass man alles aus einer falschen Perspektive heraus betrachtet, so dass der Gerechte in Wirklichkeit der Schlechte ist. Demzufolge wäre jede Krankheit, Hungersnot und Naturkatastrophe, die Tausende von Menschen tötet, legitim und aus Gottes Perspektive heraus sicherlich gerecht. Auch wenn es nicht möglich ist, sich das Gewicht der bösen Taten eines zu Tode gekommenen Kindes vorzustellen.
Wahrscheinlich reicht es, wenn man seine Einstellung der Welt gegenüber ändert und das Problem der Theodizee auf eine optimistische Art und Weise löst. Man sagt sich einfach, dass sich das Übel nicht schönreden lässt, dass das Glück das Leid überwiegt und Gutes nur zum Preis des Bösen existieren kann. Und ehe man sich versieht, stellt man fest, dass die Suche nach der Gerechtigkeit Gottes ein Ende hat. Steckt man aber erst einmal in einer Situation, in der man einen Menschen, der es definitiv nicht verdient hat, auf dem hohen Ross des Siegers zu sitzen, an einem vorbeireiten sieht, während man selbst vom Kreuz der Ungerechtigkeit erdrückt wird, ist es durchaus berechtigt, sich wie Heinrich Heine in seiner Matratzengruft zu fühlen und Gottes Gerechtigkeit ein weiteres mal in Frage zu stellen und zu kritisieren. Oder man ändert erneut seine Einstellung, in dem man das Glück im Freiraum zwischen Leid und noch mehr Leid ansiedelt und somit das Problem der Theodizee auf eine pessimistische Art und Weise für sich löst und alles Leben als Leid akzeptiert. Da ist es doch wesentlich leichter, sich sowohl die körperliche als auch die seelische Tortour zu ersparen und in die Fußstapfen des Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkins zu treten, um auf dem Höhepunkt der Karriere und in der Blüte des Lebens bei einem, durch Intrige inszeniertem, Duell zu sterben.

Vielleicht will Gott aber auch, in dem er die Rolle des stillen Beobachters einnimmt, uns eine Chance geben. Die Chance Fehler zu begehen. Fehler die uns leiden lassen. Fehler aus denen wir lernen. Fehler durch die wir uns weiterentwickeln. Wo wären wir bloß, wenn wir in einem Inbegriff des Glücks, einer perfekten Welt wie dem Schlaraffenland leben würden?
Es wäre ein Ort, an dem man ein sorgloses Leben findet, an dem keine Verpflichtungen existieren und an dem der Mensch in der Lage wäre seine Träume zu fassen. Im Gegenteil! Es wäre ein Ort, an dem der Mensch keine Träume besitzen würde, so dass es nichts zu fassen gäbe. Es wäre ein Ort, an dem die Faulheit regiert. Es wäre ein Ort, an dem jegliches Bestreben stirbt. In Wirklichkeit will der Mensch keine Welt, in der Vögel fortwährend frohe Lieder singen. Die perfekte Welt darf also nicht vollendet und vollkommen sein, was wiederum bedeutet, dass wir in der bestmöglichen aller Welten leben.

Trägt man nun alle Lösungsansätze zusammen, stellt man fest, dass sich keine absolute Antwort auf die Frage nach der Theodizee herauskristallisieren will. Gott ist allmächtig, allgütig, allwissend und gerecht, was keinem von Nutzen ist, wenn er die Rolle des Beobachters einnimmt, oder er übt Gerechtigkeit aus der unverständlichsten Perspektive heraus aus. Der Mensch ist nicht in der Lage, die Sichtweise aus der Gott Gerechtigkeit ausübt zu verstehen und er sollte seine Einstellung der Welt gegenüber pessimistischer oder optimistischer gestalten. Die perfekte Welt ist paradoxerweise nicht vollkommen und vollendet. Das Beantworten des Theodizeeproblems hat den Charakter eines Spaziergangs, welcher mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Man wird buchstäblich an den Anfang seiner Suche zurückgeworfen, so dass alles mit dem Stellen einer neuen Frage von vorne beginnen kann.

Das Uhrwerk

Einen wunderschönen guten Tag, ich bin das Zahnrad, das ihnen den Platz, für den sie bestimmt sind, zuweist. Ihre einzige Aufgabe ist es, meinen Befehlen zu folgen. Jeglicher Widerstand wird mit dem Ausschluss bestraft. Ich hoffe, dass Sie unserem Konstrukt aus Regeln da ihnen keine andere Wahl bleibt, zustimmen.


In diesem Sinne und da wir uns noch öfter sehen werden: „Guten Morgen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!“


Normalität als Ideal

Gute Tag, mein Name ist Dr. Smith, meines Zeichens Schönheitschirurg. Sagen sie mir bitte, was Sie an ihrem Aussehen stört oder noch besser ich sage ihnen was Sie an ihrem Aussehen stört bzw. Sie zu stören hat.

Ich lasse jegliche Unvollkommenheit, aus der die Individualität entsteht, verschwinden, denn Perfektion ist die Norm, nach der jeder strebt. Es gilt ein neues Schönheitsideal, des man vergöttern kann, zu erschaffen.

In erster Linie muss ich körperlichen Merkmale, die ihre Ethnie ausmachen, beheben. Die jüdische Nase muss abgehobelt, die asiatischen Augen erweitert und die schwarze Haut gebleicht werden, da man sich sonst nicht mit dem angelsächsischen Vorbild messen kann. Nach diesen Eingriffen wird man ihnen weder die Religions- noch die Staatszugehörigkeit ansehen können. Damit ist es jedoch nicht getan. Um das Werk zu vervollständigen, müssen noch mehrere kleine Eingriffe vollzogen werden. Auf der einen Seite gilt es den natürlichen Alterungsprotzes mittels kleinerer Liftings herauszuzögern und auf der anderen Seite muss ihr Körper durch eine Fettabsaugung und eine Brustvergrößerung perfektioniert werden. Da man nur ein Gesicht von ihnen verlangt, ist es wichtig, auf Mimik zu verzichten.

Somit ist das von uns neu erschaffene Schönheitsideal zum greifen nah. Der Archetyp wurde geboren. Der Individualismus ist aus der Mode. Normalität ist nun das Ideal, nach dem man strebt.

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