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Archive for September 2008

Der Prophet Mohamed sitzt in einer einsamen Gegend auf einem Hügel. Am Fuße des Hügels befindet sich eine Quelle. Ein Reiter kommt. Während der Reiter sein Pferd tränkt, fällt ihm ein Geldbeutel aus dem Sattel. Der Reiter entfernt sich, ohne den Verlust des Geldbeutels zu bemerken. Ein zweiter Reiter kommt, findet den Geldbeutel und reitet damit davon. Ein dritter kommt und tränkt sein Pferd an der Quelle. Der erste Reiter hat inzwischen den Verlust des Geldbeutels bemerkt und kehrt zurück Er glaubt der dritte Reiter habe ihm das Geld gestohlen, es kommt zum Streit. Der erste Reiter tötet den dritten Reiter, stutzt, wie er keinen Geldbeutel findet, und macht sich aus dem Staube. Der Prophet auf dem Hügel ist verzweifelt. „Allah“ ruft er aus, „die Welt ist ungerecht. Ein Dieb kommt ungestraft davon, und ein Unschuldiger wird erschlagen.“ Allah, sonst schweigend, antwortet: „Du Narr! Was verstehst du von meiner Gerechtigkeit! Der erste Reiter hatte das Geld, das er verlor, dem Vater des zweiten Reiters gestohlen. Der zweite Reiter nahm zu sich, was ihm schon gehörte. Der dritte Reiter hatte die Frau des Ersten Reiters vergewaltigt. Der erste Reiter, indem er den dritten Reiter erschlug, rächte seine Frau.“ Dann schwieg Allah wieder. Der Prophet, nachdem er die Stimme Allahs vernommen hat, lobt dessen Gerechtigkeit.


(Zitat: „Monstervortrag über Gerechtigkeit und Recht, nebst einem Helvetischem Zwischenspiel“ Friedrich Dürrenmatt Vortrag 1968/69)

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  1. Hat die Welt ein gleiches Gerechtigkeitssystem?
  2. Gibt es eine Objektive Bewertung der Gerechtigkeit?
  3. Gibt es (nur) göttliche Gerechtigkeit?
  4. Ist göttliche Gerechtigkeit absolut?

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Hat nicht irgendwer einmal gesagt, dass die Zeit für Helden gekommen ist? Helden, die unvorstellbares verrichten können. Helden, die Menschen in Not helfen. Helden, die eine ganze Nation oder sogar die Welt vereinen können. Wo sind diese Helden, nach denen das Volk verlangt, um zu ihnen aufzuschauen?

Doch was versteht man überhaupt unter einem Helden? Ist ein Held jemand mit übermenschlichen und gottgegebenen Kräften? Wenn ja, wo soll man einen solchen Helden auftreiben? In Comics und Filmen vielleicht? Der Ort, an dem der Held problemlos vom Hochhaus springen kann, ohne sich zu verletzen oder sich schützend und völlig frei von Ängsten vor einen Menschen wirft, um eine tödliche Kugel abzufangen. Sind das die Helden, nach denen wir suchen? Eher nicht. Sie erfüllen lediglich den Zweck der Unterhaltung. Sich mit diesen Übermenschen zu identifizieren, ist nicht möglich.

Oder ist ein Held, jemand wie du und ich? Ein gewöhnlicher Mensch, der durch sein Fachwissen Leben rettet. Ein gewöhnlicher Mensch, der ehrenamtliche Arbeit verrichtet. Ein gewöhnlicher Mensch, der seinem Kind das Fahrradfahren beibringt. Ist also ein Held jemand, der anderen hilft, ohne dass diese sich darüber bewusst sind? Ja, das dürfte wohl der langgesuchte Held sein.

Demzufolge gibt es keine Zeit für Helden, da die Helden uns die ganze Zeit über umgeben, ohne auch nur zu ahnen, dass sie Helden sind.


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Bildquelle: Sebastian M

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Mensch: Sag mal Löwe, du bist doch stolz und mächtig. Gibt es etwas, was dir gefährlich werden könnte?

Löwe: Nein das gibt es nicht. Ich bin der einzig wahre Herrscher aller Tiere und das höchste irdische Wesen.

Mensch: Was macht dich so mächtig?

Löwe: Die Torheit, die mangelnde Courage und die Angst des Volkes.

Mensch: Bist du eigentlich glücklich?

Löwe: Ich bin mächtig.

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Unbeschreiblich

Du stehst mitten auf der Tanzfläche, die Musik pulsiert in deinem Ohr, dein Körper folgt der Musik. Du beobachtest sie, so wie sie dich auch. Sie blickt dir in die Augen, du schaust zurück. Sie strahlt pure Euphorie und Schönheit aus. Ihre Bewegungen sind lebendig und erregend. Wenn eine höhere Macht existiert, hat es diese Frau geschaffen um mit ihr zu prahlen. Sie hört auf zu tanzen und lehnt sich an die Wand. Sie schaut dir noch einmal in die Augen, dein Blick verliert sich in ihrem, du winkst sie rüber. Sie folgt deinem Ruf.

Du wendest dich ihr zu und sie sich dir. Du siehst wieder dieses unbeschreibliche lächeln. Ihr kommt euch näher. Von einem Moment auf den anderen bewegt sich dein Körper ohne dein zutun. Ihre Haare streichen dir durch das Gesicht, du begehrst diesen Geruch wie nichts anderes. Sie dreht sich um und tanzt euphorischer als zu vor. Ihr Po berührt deinen Schritt, du zergehst. Dein Kopf ist leer. Deine Hand legt sich auf ihre perfekt geformte, weiche Hüfte. Ihre Ekstase wird deine Ekstase, deine Ekstase steigert sich ins unermessliche. Du bist elektrisiert wie noch nie. Eure Köpfe stoßen zusammen, sie berührt mit ihren sanften, weichen Händen deine Wange.

Spürst du die Blicke der anderen um dich rum? Sie sind bedeutungslos. Sie existieren nicht mehr. Es gibt nur noch sie und dich. Jegliches Zeitgefühl erlischt.

Der Versuch, etwas Unbeschreibliches zu beschreiben. Wie ein Bild von Gottes Hand gemalt, unmöglich es  in Worte zu fassen, es bleibt was es ist, unbeschreiblich.

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Verfasst vom Gastautor Pablo

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Beste Geschichte meines Lebens. Anderthalb Maschinenseiten vielleicht. Autor vergessen. In einer Zeitung gelesen. Zwei Schwerkranke im selben Zimmer. Einer an der Türe liegend, einer am Fenster. Nur der am Fenster kann hinaussehen. Der andere keinen größeren Wunsch als das Fensterbett zu erhalten. Der am Fenster leidet darunter. Um den anderen zu entschädigen, erzählt er ihm täglich stundenlang, was draußen passiert. Eines nachts bekommt er einen Erstickungsanfall. Der an der Tür könnte die Schwester rufen. Unterlässt es, denkt an das Bett. Am Morgen ist der andere tot, erstickt. Sein Fensterbett wird geräumt, der bisher an der Tür lag, erhält es. Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Gierig, erwartungsvoll wendet er das Gesicht zum Fenster.

Nichts, nur eine Mauer.

Wolfdietrich Schnurre, 1978

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Unbedacht laufend,
die Umgebung verblasst,
wohin führt der Weg?

Wasser berührt meine Haut,
es nieselt, unerwartet,
Ich sah keine Wolke am Himmel.

Ein Sturm ist ausgebrochen,
verlaufen, alles ist unerreichbar,
angsteinflösend, belastend, gar traurig.

Kein Schutz, keine Sicherheit.

Ich bin Gefangener meiner Gedanken.

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Verfasst vom Gastautor Pablo

Quelle Bild: http://ssilence.deviantart.com/art/raise-storm-1965908

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