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Paul ist krank (Kapitel 2)

Ich bin es, der Paul am Leben hält. Wir sind eine Einheit. Man könnte schon fast sagen, dass wir ein Herz und eine Seele sind. Nein! Wir sind ein Herz und eine Seele. Wenn es mir schlecht geht, geht es auch Paul schlecht. Wenn ich leide, leidet auch Paul.

Zurzeit versuchen alle Paul zu helfen, da Paul krank ist. Sinnlos! Sie schaffen es nicht. Alle schaffen es nicht. Die ganze Welt schafft es nicht. Dabei müssten sie einfach nur mich fragen, was ihm fehlt. Ich kenne die Antwort. Die Antwort, nach der alle suchen. Sie liegt in seinem Inneren. Es nützt gar nichts Pflaster auf seine Wunden zu kleben. Sie werden dadurch nicht aufhören zu bluten. Bepflastert von Pflastern wird Paul zugrunde gehen. Er wird sterben, ohne dass der Grund für sein Leiden jemals gefunden wird. Ich weis es.

„Ich bin Pauls vergiftete Seele“

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Die Kochbücher (Kapitel 1)

Da Paul das in fertige Portionen ab gepackte Essen, welches er über die letzten Jahre hinweg zu sich nahm, satt hatte, beschloss er, sich ein Kochbuch zu kaufen. Paul fiel es schon immer schwer Entscheidungen zu treffen, was letztendlich dazu führte, dass er gleich 3 Bücher mit nach Hause nahm. Durch die dadurch entstehende, größere Auswahl an Gerichten, versprach sich Paul mehr Abwechslung in seinem Alltag.

Einige Zeit ist nun seit dem Kauf der Bücher vergangen. Mittlerweile kann Paul, sich nicht mehr vorstellen, wie es einst war, das Essen ohne die Bücher zu sich zu nehmen. Pauls Speiseplan ist nun abwechslungsreicher , ja sogar exotischer und dass ohne das Paul die Bücher jemals zum Kochen benutzt hat. Es liegt auch nicht am besonders schmackhaften Geschmack der Seiten.

Die Bücher füllen , wie auch das in fertige Portionen ab gepackte Essen, die Schränke und Regale seiner Küche und sorgen durch ihre bloße Anwesenheit, für die nötige Abwechslung in seinem Alltag. Schließlich wollte Paul genau das mit dem Kauf der Bücher erreichen.

Für jeden Schriftsteller kommt einmal der Zeitpunkt, in dem er voller Hoffnung seine Kommode der Literatur öffnet und ihn die Ideen- und Inspirationslosigkeit mit einem kraftvollen Schlag Richtung Magengrube dafür belohnt. Diesen einzigartigen Kampfstil nennt man übrigens «die Schreibblockade». Sie führt dazu, dass ihm Nichts mehr einfallen will. Kein Gefühl lässt sich noch manifestieren. Nicht einmal die kleinste Metapher will es sich auf dem Papier gemütlich machen.
Selbst alle drei Literarischen Gattungen Epik, Lyrik, Drama und die vielen verschiedenen Formen wie der Roman, die Ode, die Fabel, die Kurzgeschichte, die Parabel, das Sonett,  die Hymne, die Ballade, die Tragödie, die Komödie usw.  haben sich gegen ihn verschworen. In Teamarbeit neigen sie dazu, eine unüberwindbare Mauer um den Autor zu ziehen. Türmend hindern sie ihn an der Flucht. Dabei wäre es doch so einfach in diesem Sammelsurium an Dichtung den nötigen Anstoß fürs Schreiben zu finden.

Anscheinend nicht.
Denn was nun passiert,
wie man sieht,
ist ,dass der Autor
in Versen spricht
und am besten jetzt,
dieses spontane Gedicht,
solange es noch möglich ist,
mit einem Reim abbricht.

Illustration: Guido Göbbels

Vielleicht sollte er etwas kleiner anfangen und sich erst einmal über ein Thema, ein Motiv oder vor allem um einen Protagonisten Gedanken machen.
Doch was für ein Protagonist soll es sein und was soll er machen? Soll er eine Beziehung eingehen, so dass ihm das Herz gebrochen werden kann? Ein klein wenig Herzschmerz? Den Charakter um einige autobiografische Züge erweitern? Ein bisschen für Dreidimensionalität sorgen? So dass der Leser nicht merkt, dass er sich 1000 Seiten lang langweilt. Viel zu stereotyp!

Da ist es glaube ich weitaus vorteilhafter, zu einem etwas exotischeren Exemplar zu greifen. Einem richtigen Antihelden namens, sagen wir mal Byron. Einen wahren Rebellen, der sich über Regeln Sitten und gesellschaftliche Moralvorstellungen hinwegsetzt. Letztendlich aber Frustration erleidet, da ihm die Erfüllung seiner Leidenschaft nicht möglich ist oder verweigert wird und ihn dieser Mangel an innerer Befriedigung letztendlich um eine selbstzerrstörerische Tendenz bereichert. Dazu gibt man noch ein Paar weitere negative Charaktereigenschaften hinzu. Würzt das Ganze mit einer ordentlichen Prise Egoismus und erhält als Ergebnis eine prächtige Projektionsfläche für die verdrängten und negativen Anteile der Persönlichkeit eines Lesers. Viel zu kompliziert!

Er könnte natürlich auch eine Schaufensterpuppe nehmen, diese auf den Namen Paul taufen und ihr nach belieben Charaktereigenschaften, wie Klamotten, an- und ausziehen. So, dass jener Paul sich wie ein Chamäleon jeder Geschichte optisch anpasst. Genau richtig!

In Zeiten der vollkommenen und unüberwindbaren Ideen- und Inspirationslosigkeit, kommen Schriftsteller auf die Idee, über die Schreibblockade zu schreiben und damit einen Eintrag mit über 521 Wörtern zu füllen. Das schaffen sie, indem sie ganz einfach einen längeren Text über die halbe, theoretische Literaturwissenschaft verfassen, anstatt auf den Punkt zu kommen und ein Ergebnis zu präsentieren.

In dieses Sinne war das der Prolog zu Paul Entstehung, welchen wir nun mit den Worten: «Und hier fängt die Geschichte an» beenden wollen.

Da ich nun, über einen längeren Zeitraum hinweg, wenig am Blog gemacht habe, hat sich einiges an Arbeit angestaut. Einige „Tags“, „Kategorien“, „Links“ ect. müssen dringlichst überarbeitet werden. Des weiteren merkt man, dass der Blog mit frischen Einträgen gefüttert werden will.

Ohne nun viele Worte zu verlieren, sag ich einfach mal ganz frech: “Bis Montag“.

Zeitgenosse zu Superman

Zeitgenosse:

„Superman, es gibt da etwas, was ich dich schon immer fragen wollte. Du verfügst doch über die Fähigkeit, durch Wände, geschlossene Türen und Fenster sehen zu können. Besitzt du eigentlich auch die Kraft, mit dem, was du dahinter siehst, fertig zu werden?“

An den Schüler

Lehrer: Ich hatte einst drei Kalksteine auf meinem Pult liegen, fand aber zu meinem Entsetzen, dass sie tägliches Abstauben Benötigen, während mein geistiger Hausrat noch unangestaubt dastand.

Ich warf die Steine voller Abscheu zum Fenster heraus! *

Schüler: Das würde ich auch gerne tun, da ich merke, dass ich mich viel zu sehr um die Steine kümmere und mein geistiger Haushalt währenddessen verstaubt.

Leider traue ich mich nicht, diesen Ballast loszuwerden. Es könnte ja sein, dass jemand unter meinem Fenster steht, um die Steine aufzuheben.

* Zitat aud dem Film: Der Club der Toten Dicher

Begegnung mit der Zeit

Ich glaube, dass ich für alle spreche, wenn ich euch die folgenden Worte,  mit Freudentränen in den Augen, anvertraue:

„ Während meiner Kindheit bin ich, wie jeder andere sicherlich auch,  der Zeit begegnet. Geglänzt und gestrahlt hat sie. Sie war so hell, dass man die Augen kaum offen halten konnte. Man wurde regelrecht geblendet. Und in was für prächtige Kleider sie gehüllt war. Stoffe so edel, dass selbst der reichte Mensch der Welt sie nicht hätte bezahlen können.
Sie reichte mir ihre Hand. Diese Berührung weckte in mir das intensivste Gefühl, das ich bis dahin kannte und noch heute kenne. Es ist das Gefühl der absoluten und grenzenlosen Freiheit.“

Ich glaube, dass ich für alle spreche, wenn ich euch die folgenden Worte, voller Furcht, ins Ohr flüstre:

„ Ich bin kürzlich erst, wie jeder andere sicherlich auch, wiedereinmal der Zeit begegnet. Ich glaube zumindest, dass die Zeit war. Schrecklich sah sie aus. Verblasst der Glanz, der mich einst als Kind geblendet hat. Zerfetzt die edlen Stoffe, die ihren Körper zierten. Das Gesicht, abgemagert. Nein, nicht abgemagert, es war das Gesicht eines Toten. Vor mir war ein Schädel, über den jemand eine dünne Haut gespannt hat. Furchtbar!
Ich musste die Augen schließen, mich wegdrehen, einfach davonrennen. Es gab keinen anderen Ausweg. Ihr Anblick war nicht zu ertragen.“

Ich weis, dass ich nicht für alle spreche, wenn euch die folgenden Worte, vom höchsten Punkt der Welt aus, so dass ein jeder sie hören wird, schreie:

„Lange ist es her, dass ich beim Anblick der Zeit davongerannt bin. Schrecklich war ihr Äußeres und doch besaß ich fortwähren den Wunsch, sie wiederzusehen. Ich hatte vor, mich auf die Suche nach der Zeit zu begeben. Die Suche sollte nicht von langer Dauer sein, denn plötzlich stand die Zeit vor mir. Im alten Glanz und in neuen, weit aus prächtigeren Kleidern.
Sie wusste die Ketten, in die mich der Alltag gelegt hatte, zu sprengen, meine Neugeburt einzuleiten und das vergangene Sterben zu verhindern.
Mir fiel auf, dass das Gefühl der absoluten und grenzenlosen Freiheit niemals verschwunden war. Es umgab mich seit meiner Geburt. Ich hatte lediglich verlernt es zu sehen.“

Ich glaube, dass alle den folgenden Satz verstehen werden, da sie meine Worte schließlich gehört haben müssen:

„Nachdem ich nun die Zeit wiedergefunden habe, ist mir etwas an ihr aufgefallen. Sie besitzt eine austergewöhnliche Eigenschaft. Sie nutzt sich ab, wenn man sie nicht nutzt.“